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Stand: 9. September 2018 

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"The Chronical-Letters"

Der Aufstand 
Datum : 18. Januar 2001 
Verfasser : Sese „Goron“ Herler  
   

 

Unruhig lief Goron im Zimmer auf und ab. Mittlerweile  dürfte er einige hundert Runden in Salon des  vornehmen Herrenhauses gedreht haben. Er hatte keine  Augen für das gemütlich prasselnde Kaminfeuer oder  den blutroten Untergang der Wintersonne. Es hatte  sogar geschneit, was für das Greyhawker Wetter sehr  ungewöhnlich war. Ein weißer Teppich lag auf den  Dächern, nur auf den Strassen war er längst schmutzig  braun grau getreten worden. Normalerweise unterschied  sich der Winter in der Stadt von den anderen  Jahreszeiten nur dadurch, dass etwas mehr Regen fiel  und die Temperaturen ein wenig sanken und somit der  Gestank auf ein halbwegs erträgliches Niveau gesenkt  wurde.

Nichts desto trotz konzentrierte sich der Magier auf  andere Dinge. Wieder einmal nur knapp dem Tode im  Tempel des elementaren Bösen nur knapp entkommen  hatte man abermals einen Sieg für das Gute erringen  können. Doch wieder waren die Kommandanten der  Weißen Legion nur Ausführende gewesen. Tenser hatte  den Entschluss des Circle of Eight überbracht und man  hatte mehr oder weniger ohne Widerspruch zugestimmt.

Doch es wurmte den Magier, dessen Künste denen  einiger Mitglieder des Circle of Eight in nichts  nachstand, die Tatsache, dass er nur Befehlsempfänger  war. Und dass, obwohl er und seine Freunde schon so  großartiges geleistet hatten. Zudem hatten alle seine  Reisegefährten und er einen Großteils ihres  Privatvermögens in eine Armee gesteckt, über die nun  andere verfügten. Und dann fand man kaum Zustimmung  im Konzil für eigene Pläne. Nein, dass hatten er und  seine Freunde nicht verdient.

Jarrek Artur war ausgesandt worden, um Nellain,  Anthaias und Athalarich (der immer noch den Titel  "Herzog ohne Land" führte) zu einer kleinen  Besprechung bzw. einem Untrunk zu laden. Das "passive"  Mitglied der Gilde war inzwischen zu einem  vollwertigen Butler mit eher zweifelhafter  Vergangenheit avanciert. Dennoch pflegte er seine  alten Kontakte, was sich durchaus vorteilhaft erwies.  Er hatte alles vorbereitet, für einen langen  Besprechungsabend (fast) ohne neugierige Ohren.

Die Sonne war bereits untergegangen, Goron starrte  ungeduldig aus dem Fenster, noch keiner seiner Freunde  in Sicht, was gab es denn so wichtiges zu erledigen??  Athalarih war sicherlich im Tempel um zu beten, eine  Tätigkeit, die dem Magier sinnlos erschien, konnte  man sich im Grunde genommen nur auf seine eigenen  Fähigkeiten verlassen. Endlich schlenderten zwei  Gestalten die Strasse entlang, im Schlepptau hatten  sie einen Träger, (Ex-) Prinz Anthaias hatte wohl  einige Stücke erworben, um seine eh schon  unglaubliche Garderobe zu erweitern, Nellain war  sicherlich wieder bei einer Dame zu Besuch gewesen,  damit er sich von den Strapazen des Kampfes erholen  konnte.

Nach einigen Minuten betraten beide das Zimmer, Goron  blickte immer noch aus dem Fenster. "Goron, alter  Bücherwurm, solltest mal an die frische Luft, kennst  Du überhaupt das weiße Zeug, dass da draußen  liegt?"  fragte Nellain stichelnd.  Der Magier antwortete nicht.

"Mann, der kennt sich in anderen Dimensionen besser  aus, als in dem Garten seines Hauses." Anthaias  blickte Nellain schulterzuckend an und ging zu einem  Tischchen, auf dem eine Schüssel mit Salzgebäck  stand. Der Barde folgte ihm und nahm eine handvoll der  knusprigen Teigscheiben. Laut knuspernd sahen sie zu  dem immer noch stummen Goron, der ihnen weiterhin den  Rücken zukehrte.

"Lässt sich Athalarich auch von dem gefrorenen Wasser  aufhalten? Oder lässt in Rao nicht gehen?" in Gorons  Stimme lag ein Hauch von Ungeduld. "Habt ihr was von  Arthemis gehört? Wahrscheinlich ist der schon wieder  im Auftrag der Gilde unterwegs, er sollte sich  überlegen, ob er sich nicht ein wenig zurück zieht  aus diesem Gewerbe und selbstständiger wird." Goron  drehte sich endlich zu seinen Freunden um.

"Es freut mich, dass ihr eure Termine für heute Abend  abgesagt habt, es gibt einiges zu besprechen." Nellain  rollte mit den Augen, als er daran dachte, wie Cor  alleine den "Hanged Man" aufmischte, aber vielleicht  hatte der in Roben gekleidete Bücherwurm wirklich  etwas interessantes zu sagen. "Setzen wir uns,  während wir auf Athalarich warten."

Oh Mann, der tut so, als ob ihm das Haus alleine  gehört, dabei haben wir genauso viel Anrecht darauf  wie er, dachte Anthaias ein wenig genervt von  überheblichen Gehabe des Magiers.

Nach einer Weile belangloser Gespräche voller  Seitenhiebe und Ironie betrat Athalarich das Zimmer.  Er war nur mit der weiße Robe eines Raopriesters  bekleidet. Seine Rüstung war wohl verwahrt im Tempel,  allein fathers revenge wich nicht von seiner Seite.  "Ich grüße Euch im Namen Raos Weisheit. Meine  Freunde ich freue mich Euch zu sehen." Mit diesen  Worten setzte er sich an den Tisch.

Jarrek Artur brachte nach einiger Zeit einige  Schüsseln und Teller, damit die Herren nicht mit  leerem Magen diskutieren mussten. Nach einem opulenten  Mahl erhob Goron abermals die Stimme.

"Meine Freunde. Ihr seid zwar erst später als Cor und  Selkai zu meinen Freundeskreis gestoßen, dennoch  glaube ich, dass es besser ist meine Gedanken in  diesem Kreis zu erörtern. Ich glaube wir sollte uns  Gedanken über die Zukunft machen. Wir haben sehr viel  für diesen Kontinent und gegen seine Feinde getan.  Dennoch ist man nicht gewillt, uns frei entscheiden zu  lassen. Es ist sogar soweit gekommen, dass man uns und  auch der weißen Legion sagt, was wir zu tun haben.  Ich glaube, nein ich bin mir sicher, dass es besser  ist, wenn wir uns überlegen, wie lange wir das noch  mitmachen wollen. Ich rede hier nicht von Umsturz oder  Revolution, sondern plädiere vielmehr für unsere  Unabhängigkeit. Was meint Ihr?"

Nellain und Anthaias, stimmten mir lauthals zu, beide  wollten endlich selbst etwas bewegen. Athalarich lies  die beiden ein wenig reden, bis er selbst sich zu Wort  meldete:"Hmm, Eure Gedanken sind interessant, dennoch  enthalten sie konkrete Vorschläge. Es wäre wichtig  zu wissen, welche Möglichkeiten uns offen stehen.  Warum sollen wir nicht den Lord Mayor stürzen und  Greyhawk kontrollieren? Was geschieht mit dem  Auserwählten? Immerhin fehlt ihm noch ein Artefakt,  um seine volle Macht zu entfalten. Wo gehen wie hin?  Was geschieht mit Lord Mastryne? Was wollen wir? Land  erobern und über diese Ländereien herrschen? Werdet  konkreter, meine Freunde..."

Nellain und Anthaias waren dem Gedanken nicht  abgeneigt, Herrscher zu werden, wenigstens die  Geschicke eines bestimmten Landstrichs zu leiten  würde beiden zusagen. Schnell begann Nellain  Luftschlösser zu entwerfen, seine bildhafte Sprache  durch jahrelangen Minnesang geschult, riss nicht nur  den Elfenprinzen mit. Auch Athalarich und Goron  ließen sich eine Weile einspinnen und gingen auf  Nellains Zukunfts- "Visionen" ein.

Doch insgeheim war der Magier unentschlossen, er  wollte eigentlich eine Magierschule gründen. Seine  Freunde Mallon Fer Asque und Nalfain da Estvir würden  ihm zur Seite stehen, vielleicht würde auch der eine  oder andere Magier der weißen Legion sich seiner  Schule anschließen. Aber andererseits warum nicht die  Geschicke eines Landes auch in Friedenszeiten lenken.  Auch schmerzte ihn, und dieses Gefühl war ihm noch  nie aufgefallen, dass er für immer alleine sein  würde. Die anderen würden im Verlauf der Zeit  sicherlich Familien gründen, Grundstock für spätere  Generationen, doch blieben Magier seines Ranges  eigentlich immer allein. Sollte er es den anderen  nachmachen oder wollte er eine besondere Rolle spielen  und die magischen Forschungen gegen ein Leben mit Frau  und sogar Kindern eintauschen? Oder ließe sich all  das miteinander verbinden?

Gedankenversunken saß Goron am Tisch, überhörte  Athalarichs Ausführungen, dass nicht nur an der Wild  Coast Männer mit Führungsqualitäten gesucht seien.  Auch für eroberte Gebiete IUZ müssten Leute gefunden  werden. Man sollte die Offiziere und Soldaten der  Weißen Legion dafür vorsehen.

Einigen Runden Bier und Wein waren durch die Kehlen  der Beteiligten geflossen, bis auf Nellain saßen alle  ruhig am Tisch und lauschten dem Gesang des Barden.  Nellain dichtete aus dem Bauch Gesaenge auf  Heldentaten, die von der Legion und ihren Kommandanten  erst bestanden werden mussten...

   
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Fantasy-Stories from the former days

Written by:
  • Sese „Goron“
    Herler
  • Nicolas „Nellain“ Wachter
  • Alex „Artemis“ Miller