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Stand: 9. September 2018 

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"The Chronical-Letters"

Der Besuch 
Datum : 3. Februar 2000 
Verfasser : Sese „Goron“ Herler
   

 

Die Hufe der vier Pferde klapperten über das feuchte  Kopfsteinpflaster der Straße, die dahinter gezogene  Kutsche holperte durch das eine oder andere  Schlagloch, die sich im Laufe der Zeit gebildet  hatten. Früher hätte es so etwas in Greyhawk nicht  gegeben. Aber jetzt musste auch das Juwel des mittleren  Kontinents seine Ressourcen umverteilen. Man musste  Prioritäten setzten, der Krieg gegen IUZ verlief gegen  das Konzil und seine Verbündeten, man kämpfte ums  nackte Überleben, da störten die Löcher in der Straße  nicht ...

Mühsam kam die Kutsche vor dem Schmiedeeisernen Tor  eines Palazzos stehen. Das Haus hatte längere Zeit  leer gestanden, es hatte einem alten, wundersamen  Magier gehört. Nach seinem Tod war das Haus nur wenige  Wochen leer gestanden, vor einiger Zeit waren ein paar  nicht weniger seltsame Gestalten eingezogen. Diese  Leute kamen nur selten zu Besuch, meist blieben sie  nur über Nacht, man sah sie nur selten gehen, sie  verschwanden einfach. Doch die Einwohner Greyhawks  hatten andere Probleme, kaum waren die Flüchtlinge der  Wild Coast zurück in ihre Heimat gebracht worden, da  strömten schon wieder Tausende Heimatlose in die  Stadt, sie waren vor IUZ Truppen geflüchtet. Nyrond  und Veluna waren schon halb vom Feind überrannt, man  konnte die Leute dort nicht ernähren, deshalb suchten  die Leute hier Schutz, in der Stadt des Konzils, wo  der Krieg so weit entfernt schien.

Die Kutsche hatte vor dem Haus endlich gehalten, sie  schwankte noch ein wenig. Es dauerte eine Weile, bis  aus der vom Kutscher geöffneten Tür eine in Roben  gekleidete Gestalt kletterte. Das Gesicht war von  einer schweren Kapuze verhüllt. Die Gestalt suchte  etwas in den Roben, nach einigem Wühlen scheint sie  fündig zu werden. Einige Münzen fallen klimpernd in  die aufgehaltene Hand des Kutschers.  "Es ist mir immer ein Vergnügen, Mitglieder des  Konzils als meine Gäste zu haben. Meister Goron beehrt  uns bald wieder. Ich wünsche Euch eine geruhsame  Nacht. Mögen die Götter über Euer Schicksal wachen!"

Nur unverständliches Murmeln drang aus der Dunkelheit  der Robe, doch der Kutscher hatte diese Worte kaum  vernommen, man spaßt nicht mit einem Magier erst recht  nicht mit dem Mann, den er bis vor einigen  Augenblicken als seinen Fahrgast bezeichnet hatte. Der  Mann war gerade von einer Konzils- Verhandlung  zurückgekehrt. Zwei Tage lang hatten die Diplomaten um  Gelder, Nahrung und vor allem um Verstärkung für ihre  Armeen gerungen. Der Magier hatte nur noch einen  Wunsch, er wollte sich einen kräftigen Schluck des  Blackmoor´schen Whiskeys gönnen, bevor er sich einige  Stunden schlafen legte.

Unverständlich vor sich hinmurmelnd schlurfte der  Magier auf das Tor des Hauses zu. Unablässig suchte er  in verborgenen Taschen seiner Robe nach, ja was suchte  er eigentlich. Sinnierend stand er einige Augenblicke  vor der verschlossenen Tür. Dann wieder Gemurmel, die  Stimme verfällt in einen seltsamen Gesang, nach einer  kurzen Handbewegung leuchtet das Schloss des Tors kurz  auf, die schwere Eichentür öffnet sich knarrend. Kurz  fällt Licht in den gepflegten Garten, dann schließt  sich die Tür.

"Meister Goron, Ihr hättet nur Klopfen müssen, ich  hätte Euch sofort geöffnet!" Die Stimme des  Haushofmeisters klang ein wenig vorwurfsvoll, aber  nicht ohne eine Spur Mitleid. Der Magier war in  Greyhawk bekannt wie ein bunter Hund. Er uns seine  Kameraden hatte eine Privatarmee aufgestellt und die  Wild Coast befreit, bevor sie höchst persönlich die  Orkimperator, der hinter dieser Sache steckte zur  Strecke gebracht hatten. Der Haushofmeister konnte  kaum die anderen Heldentaten seiner Arbeitgeber  aufzählen, er wusste nur eines Goron war im Bezug  Zerstreutheit und Geistesabwesenheit ab und zu nur  durch Selkai zu übertreffen. Doch der Tod des  Elfenmagiers hatte Goron schwer zugesetzt. Er war  jetzt verbissener als vorher, wühlte in alten Akten  und Pergamenten, um Schwachstellen bei seinem Feind  IUZ festzustellen, er kämpfte mit seinen Freunden an  vorderster Front ...

"Ich gehe schlafen. Weckt mich morgen schon bevor die  Sonne aufgeht, ich habe viel zu tun. Habt Ihr  Nachricht von Arthemis erhalten?"

"Nein, Herr. Er hat sich noch nicht gemeldet. Meine  Kontakte haben auch keine Spur von Ihm."

"Verdammt! Wir nie zuvor hat er uns mehr gefehlt, als  in dieser Stunde! Iuz´ Armeen überrennen alle  Stellungen, Highfolk wird von einer übermächtigen  Armee belagert und das Problem Lord Mastryne ist auch  noch nicht gelöst! Ich hoffe, seine Geschäfte im Süden  laufen gut für Arthemis. Hoffentlich denkt er an das  Buch!"

Müden Schrittes ging der Magier in Richtung seines  Arbeits- und Schlafgemachs. In der rechten Hand ein  Glas mit gold - braunem Whiskey. Goron freute sich auf  einige Stunden erholsamen Schlaf, ein paar Stunden  ohne Gefeilsche um Waffen, Männer und Nachschub. Er  würde morgen früh aufbrechen, zu den anderen, zu  seinen Freunden. Sie hatten gemeinsam viel erlebt,  auch schon vieles erreicht. Dennoch, der Würgegriff  der feindlichen Armeen würde bald auch Greyhawk  erfassen, dann würden auch hier Unglück, Hunger und  Tod herrschen. Athalarich war im Moment bestimmt  dabei, zusammen mit Cor, Nellain und Anthaias die  Männer zu trainieren. Sie sollten vorbereitet werden,  gegen die Kerntruppen Iuz zu kämpfen. Der Halbgott  hatte Dämonen und andere schreckliche Monstren in den  Reihen seiner Armee. Die Männer der weißen Legion  hatten schon vieles erlebt und vor allem überlebt,  doch mussten sie vorbereitet werden. Auf die  schrecklichsten Alpträume und Ausgeburten der Höllen.  Keinem konnte man es übel nehmen, dass er Angst hatte,  einem solchen Monster zu begegnen...

Das Holz der obersten Stufe knarrte ächzend, als der  Magier darüber hinweg schritt. Das Glas hatte er in  der Zwischenzeit geleert, als er in Gedanken bei  seinen Kameraden und der weißen Legion gewesen war.  Manche seiner Kollegen auf der Universität tuschelten  hinter seinem Rücken, glaubten die Zugehörigkeit eines  Magiers zu einer Armee lächerlich zu finden. Doch sie  getrauten sich nicht, dies offen auszusprechen, aus  Angst, den Erzmagier der weißen Legion zu verärgern.  Zu gut waren Gorons Fähigkeiten als Magier bekannt und  nicht zu unrecht auch gefürchtet. Goron lächelte, als  er ein paar Gedanken an die Bücherwürmer und  Laborkriecher verschwendete. Gedankenverloren sperrte  er die Tür zu seinen Gemächern auf.

Wie in Zeitlupe fiel das Whiskeyglas zu Boden.  Klirrend zersprang es in Scherben, die letzten Reste  des Whiskeys benetzten den Boden und verbreiteten ein  nicht unangenehmes Aroma. Das Licht des Kaminfeuers  spiegelte sich in den vielen auf dem Boden liegenden  Scherben. "Arthemis!" Eine Gestalt, die wohl schon  eine ganze Zeit gewartet hatte, richtete sich auf. Sie  ganz in schwarz gekleidet, am Ringfinger der rechten  Hand blitzte ein etwa augapfel - großer, blutroter  Rubin auf. In dem südländischen, ernsten und  verschlossenen Gesicht war für den geübten Beobachter  eine kurze Andeutung eines Lächelns zu erkennen.

Mit katzenhafter Agilität und Eleganz bewegte sich der  Mann auf den Magier zu. Mit leiser Stimme sprach,  flüsterte er fast: "Meister Goron. Ich habe Euer Buch  zurückgebracht, auch habe ich die Verantwortlichen zu  Rechenschaft gezogen!" Ein kurzer Schauer lief über  den Rücken des Magiers, als er sich ausmahlte, wie  diese Rechenschaft ausgesehen hatte "Außerdem habe ich  hier noch ein paar Souvenirs mitgebracht:" Der  Assassine öffnete einen Beutel und gab den Blick auf  ein paar Schädel frei. "Sicherlich könnt ihr dies bei  Euren Forschungen verwenden. Ich hörte von Selkais  Schicksal, vielleicht könnt Ihr ja mit Hilfe der  Schädel etwas erreichen. Leider erwarten mich wichtige  Aufgaben innerhalb der Gilde. Ich hörte von den  Aktivitäten der Shadow Claw. Werde mich in der Stadt  umsehen, vielleicht verreise ich wieder für eine  Weile."

Goron wollte protestieren, Arthemis wurde schließlich  auch von der Legion gebraucht, er war der beste  Späher, den er kannte. Doch er wusste, wie sinnlos es  war, gegen Gilden- Angelegenheiten anzureden. Der  Magier nickte kurz, drehte dem Assassinen den Rücken  zu, ob dies als Leitsinn oder als Zeichen von  Vertrauen zu werten ist, vermag wohl niemand zu sagen.  Der Magier suchte in den Schubladen des schweren  Schreibpultes, zog ein Bündel heraus und nickte  zufrieden. Er überreichte es der in schwarz  gekleideten Gestalt: "Dieses Amulett sollte  verhindern, dass ihr mit Hilfe gewöhnlicher Magie  aufgespürt werdet. Ich bin mir sicher, dass es Euch von  Nutzen sein wird. Falls Ihr noch etwas benötigt, laßt  es mich wissen." Der Kopf des Assassinen deutete eine  Verbeugung an. Der Blick des Magiers schweift in  Richtung des prasselnden Kaminfeuers, verweilt dort  einige Augenblicke, um nach wenigen Sekunden wieder  zurück zu Arthemis zu gelangen. Doch der Assassine war  verschwunden, ohne ein einziges Geräusch zu  verursachen. Goron schritt zum Fenster. Der Nebel war  ein wenig dichter geworden, von Arthemis keine Spur,  in der Ferne einige Häuserdächer weiter miaute eine  Katze. Eines jener Wesen, die sich ebenso elegant wie  der geheimnisvolle Mann aus dem Süden bewegten. Genau  diese Art, sich leise voran zu bewegen, und den Gegner  von hinten zu überraschen, deshalb war Arthemis so  wichtig. Auch wenn Athalarich und Anthaias gegen die  Anwesenheit des Assassinen waren.

Goron lächelte, bevor er sich zur Ruhe begab, sprach  er noch einige Schutzsprüche auf sich und seine  Gemächer, um rechtzeitig bei überraschendem Besuch  gewarnt zu werden, schließlich sollte nicht jeden Tag  unnütz Glas zu Bruch gehen.

   
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Fantasy-Stories from the former days

Written by:
  • Sese „Goron“
    Herler
  • Nicolas „Nellain“ Wachter
  • Alex „Artemis“ Miller