Elorien.ch

Stand: 9. September 2018 

Last Verzeichnis Next


"The Chronical-Letters"

Artemis' Rache
Datum :  1. Februar 2000 
Verfasser : Alex „Artemis“ Miller  
   


Der alte Mann zog nachdenklich an seiner Pfeife  während er in dem Schaukelstuhl vor und zurück wippte.  Die alten, dunklen Dielen des Bodens knarzten jedes  mal protestierend wenn sich der Stuhl nach vorne  beugte und übertönte dabei das Knistern und Knacken  des Kaminfeuers. Der Schaukelnde strich mit seiner  freien Hand ein paar Tabakblätter von der Decke, die  über seinen Beinen lag und blickte in das flackernde  Feuer. Was für ein seltsamer Mann doch heute in das  Städtchen gekommen war. Fremdländer, sicherlich aus  einer der großen Städte. Hatte einen netten Eindruck  gemacht, was sicherlich auch daran lag, dass er im  Stadtkrug einige Runden gezahlt hatte. Ein Händler,  der sich hierorts niederlassen wollte. Gut, nur gut.  Frisches Geld war immer gut für eine Stadt und  vielleicht würde der Händler auch noch Andere mit sich  bringen. Vielleicht, schon bald würde die Stadt mehr  als 2000 Einwohner zählen. der alte Mann zog weiter an  seiner Pfeife und schloss die Augen.  Nicht weit entfernt von der kleinen Hütte des alten  Manns öffnete der Fremde eine Kiste in der großen  Halle seines neu erstandenen Hauses. Er strich sich  mit der Hand eine blonde Strähne aus seinem Gesicht  und blickte lächelnd auf den Inhalt der Kiste. Bald,  schon bald würde er neben seinem eigentlichem Zweck  seiner größten Passion nachgehen können. Mit einer  fast zärtlichen Geste strichen seine Finger über den  Inhalt - ein paar äußerst scharfe Messer und seltsame  Sägen und Bohrer. Gerade als er eines der feinen  Messer aus der Kiste nehmen wollte, klopfte es an der  Tür. Hastig klappte er den Deckel herunter und  verschloss die Kiste mit einem Schlüssel, der zusammen  mit einer kleinen, gekrümmten Kralle an einer Kette um  seinen Hals hing. Dann strich er seine Gewänder glatt  und ging auf die Tür zu. Vorsichtig öffnete er eine  kleine Klappe in Kopfhöhe und spähte in die Dunkelheit  hinaus. Nachdem sich seine Augen an den  Helligkeitsunterschied gewöhnt hatten konnte er in der  Dunkelheit eine Gestalt erkennen. "Wer seit Ihr und  was ist Euer Begehr?" fragte er. Die Gestalt griff in  eine Tasche und holte etwas hervor, das er langsam in  Richtung der Klappe bewegte. In der, nur durch das  Kaminfeuer in Inneren erhellten, Dunkelheit konnte man  eine leicht gekrümmte Kralle an einer Kette erkennen.  Fast erleichtert entriegelte er die Türe und sagte:"  Ah, gut. Komm schnell herein." Der Besucher, der sich  wohl durch den Anhänger an der Kette identifiziert  hatte trat herein. Unter dem weiten dunklen Umhang  trug er teure, leicht abgenutzte Lederkleidung.  Während der Hausherr die Tür wieder verriegelte,  streifte der Besucher seine Kapuze zurück. Dabei  flackerte ein großer, roter Rubin an seiner rechten  Hand im Licht des Kaminfeuers. Der Hausherr drehte  sich herum und erschrak innerlich beim Anblick des  Besuchers. Er war froh, das dieser erst zu so später  Stunde sein Haus aufgesucht hatte, da das  nordländische, leicht dunkelhäutige Antlitz des Gastes  sicherlich nicht vertrauenerweckend auf die Bewohner  dieser Stadt gewirkt hätte.  "Was wollt Ihr hier? Es war doch ausgemacht, dass ich  Kontakt aufnehmen werde wenn ich mich hier vollständig  niedergelassen habe! Und wer seit Ihr? Ich habe Euer  Gesicht noch nie gesehen?", rief der Besuchte leicht  aufgeregt. Ein solcher Besuch zu dieser frühen Phase  konnte das ganze, sorgfältig geplante Erscheinungsbild  platzen lassen.  "Beruhigt Euch, edler Othoias, das Rot des Zornes  steht Eurem holden Halbelfenanlitz nicht." sagte der  Besucher. Er zögerte bevor er fort fuhr: "Ich komme  aus dem Norden und habe dort vor einigen Tagen Ailes  einen Besuch abgestattet. Er sagte mir, daß ich Euch  hier treffen würde."  Othoias Gedanken überschlugen sich. Dieser seltsame  Fremde kam von Ailes, dem regionalen Meister. Und  Ailes hatte ihm anscheinend seinen Namen und  Aufenthaltsort genannt. Wer war der Fremde, und  welchen Platz nahm er in der Hierarchie der  Organisation ein? "Kann ich Euch etwas zu trinken  anbieten?, fragte er seinen Besucher, der vor dem  Kamin stand und sich die Hände wärmte. "Ja, roten  Wein. Wenn möglich aus den Ländern der See Barone",  war die Antwort des Besuchers. Otoias nickte und ging  in Richtung der Küche und des Lagerraums. Zwar hatte  er nicht den Wein aus dem Süden den sein Besucher  verlangte aber ein trockener Roter dürfte dessen  Gaumen wohl ebenso erzücken. Als er mit einem Krug und  zwei feinen Zinnbechern zurückkam stand der Fremde  immer noch vor dem Kamin. Sanft stellte er Krug und  Becher auf den Tisch und blickte den Besucher von  hinten an. Er konzentrierte sich und murmelte einige  Wörter. Magische Energie bildete sich um ihn. Seine  Augen wurden glasig und er richtete seinen Blick auf  den Fremden um dessen Aura zu erkennen. Doch zu seinem  Erstaunen zeigte dieser keine Art von Ausstrahlung  oder Aura. Er zuckte leicht zusammen als der Besucher  sich zu ihm umdrehte. Dabei übersah er wie dieser  einen kleinen Taschenspiegel in seine Tasche steckte.  "Verausgabt Eure magische Energie nicht mit dieser Art  von Versuchen. Einer wie ich muss unerkannt durch die  Dunkelheit wandern" sagte der Fremde und schenkte sich  einen Becher voll ein. "Gut, gut", stotterte Othoias  und fühlte sich plötzlich wie ein kleiner Junge, der  bei einem Streich erwischt worden war. Um sich auf  andere Gedanken zu bringen fragte er den Fremden:  "Nun, da Ihr jetzt meine Gastfreundschaft genießt,  wollt Ihr mir nicht den Grund Eures Besuchs und Euren  ehrenwerten Namen nennen?" Der Besucher schmunzelte  leicht, ein Schmunzeln welches echte Amüsiertheit  auszustrahlen schien, und schenkte den zweiten Becher  ein. Dann reichte er seinem Gegenüber den Becher und  erwiderte: "Habt erst einmal einen Schluck von Eurem  vorzüglichen Wein. Dann werden wir die Formalitäten um  mein Hiersein und meine Identität klären." Er hob den  Becher leicht an und deutete dabei eine Verbeugung an.  Dann nahm er einen Schluck. Othoias nickte, deutete  ebenfalls eine Verbeugung an und trank.

Arthemis lehnte an dem Tisch und betrachtete den  zuckenden Leib Othoias. Das Gift, welches er beim  einschenken in dessen Becher getan hatte wirkte  äußerst schmerzvoll. Weiser Schaum hatte sich um den  Mund des am Boden liegenden gebildet und tropfte auf  dessen feine Kleidung während er nur noch röchelte.  Arthemis, einen Schluck aus seinem Kelch nehmend,  schritt um sein Opfer herum und betrachtete  nachdenklich die Kisten und Truhen die in der Halle  standen. Nachdem er alles untersucht hatte würde er  das Haus anzünden müssen. Sollten die Bewohner ruhig  glauben, dass der anständige, nette Händler beim Brand  des Hauses umgekommen war. Sie würden niemals  erfahren, was sie da in ihrer Mitte aufgenommen  hatten. Das Röcheln am Boden war zu einem abrupten  Ende gekommen. Ein leichtes Lied pfeifend beugte sich  Arthemis hinunter und entfernte die Kette mit der  Kralle und dem Schlüssel. Es gab viel zu tun.

Arthemis verließ die Stadt. Hinter sich hörte er die  aufgeregten Rufe der Bewohner, die verzweifelt  versuchten das brennende Haus zu löschen. Er war sich  sicher, dass die ölgetränkten Besitztümer Othoias und  dessen Körper sich in der Zwischenzeit in Rauch  aufgelöst hatten. Auf seinen Schultern trug er einen  kleinen Sack, der einige Gegenstände aus dem Besitz  des verstorbenen enthielt. Arthemis war sich sicher,  dass ein Mann im entfernten Greyhawk sicherlich  Interesse für einige der Gegenstände zeigen würde. Vor  allem für das in Leder eingeschlagene Buch mit dem  Totenschädel auf dem Einband. Einem Schatten gleich  verschwand er in der Nacht, immer noch ein Lied  pfeifend.
   
Last Verzeichnis Next

 

Fantasy-Stories from the former days

Written by:
  • Sese „Goron“
    Herler
  • Nicolas „Nellain“ Wachter
  • Alex „Artemis“ Miller