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Stand: 9. September 2018 

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"The Chronical-Letters"

VIII. Brief  an die Chronisten
DDatum : 15.Januar 2000 
Verfasser : Sese „Goron“ Herler
   

 

Werte Chronisten !

Schweren Herzens verließen wir Greyhawk, unser Freundeskreis war geschrumpft, ein werter Freund und Reisegefährte hatte eine lange Reise angetreten, bei der Ihn keiner begleiten konnte. Wieder mußten wir zurück zum Tempel.

Anthaias und Athalarich hatten zusammen mit mir intensiv die Tagebücher und Notizen auf Hinweise bezüglich des Orb of Gold gesucht. Dieses mächtige magische Artefakt stellte den Schlüssel zur Zerstörung des Tempels da. Aber leider fanden wir keinen einzigen Hinweis, das die Anhänger Iuz Erfolg gehabt hätten, die fehlenden Stücke des Gegenstandes zu finden. Die befanden sich nun schon seit einigen Jahren auf der Suche und der Gott war sicherlich nicht einer der geduldigsten ... 

Wir hatten entdeckt, das innerhalb des Tempels Zugänge zu künstlich erschaffenen Elementarebenen versteckt waren. Dies sollte unser nächstes Ziel in den tiefen, dunklen  Verließen sein. Der einzig beruhigende Gedanke war, das die Monster und Garnisonen des Tempels alle durch unsere Hand getötet worden waren oder es vorgezogen hatten, dem Zorn unserer Waffen und der Macht unserer Magie zu entfliehen ... 

Wir trafen uns zu einem ausgiebigen Frühstück in unserem Haus. Nach einigem Schlemmen, man wollte schließlich gestärkt in den Kampf ziehen, zogen wir uns in mein Arbeitszimmer zurück. Unser Haushofmeister wusste schon Bescheid, er verschloss die Tür und war sich im klaren darüber, dass er die nächsten Tage auf die leerstehende Villa aufzupassen hatte. Inzwischen war ihm diese Aufgabe zur Routine geworden... 

Der ehemalige Dieb lächelte, eine einfache und bequeme Aufgabe nicht zu vergleichen mit seiner früheren Beschäftigung. Früher, ja früher hatte er im Auftrag der Gilde Händler um den einen oder anderen Geldbeutel erleichtert, wenn diese mit den Schutzzahlungen im Rückstand gewesen waren. Jetzt konnte er sich gemütlich zurücklehnen und musste nur ab und zu ein Scheit in den Kamin legen. Die restlichen Arbeiten im Haus gingen ihm inzwischen leicht von der Hand. Wenn es ihm wichtig erschien, kontaktierte er in unregelmäßigen Abständen seine ehemaligen Arbeitgeber. Dabei achtete er aber stets darauf, daß alle Beteiligten zufriedenstellend mit Informationen versorgt würden. Eine Hand wäscht die andere ... 

Inzwischen hatten wir uns im Arbeitszimmer reisebereit gemacht. Die Krieger hatten nur die nötigsten Waffen bei sich, die andere schwere Ausrüstung wurde von Rufus Mannen im Wachturm beim Tempel bewacht. Wir standen im Kreis, ich konzentrierte mich, mein Geist formte die magischen Energieflüsse, die Lippen sprachen die Zauberformeln wie in Trance, dann erfasste uns ein magischer Wind, der uns innerhalb eines Augenblicks sicher in den Wachturm transportierte. Ein leichtes Schwindelgefühl verflog sofort, als wir die Augen öffneten. Auch die Männer hatten sich an unser plötzliches auftauchen schon gewöhnt. Wir nahmen unsere Waffen und Rüstungen auf, bevor wir uns auf den Weg in den Tempel machten.  Wir traten in den Sonnenschein, blinzelten kurz und traten abermals in den Tempel ein. Obwohl wir dies jetzt schon sicherlich ein Duzend mal getan hatten, fing das Herz an, schneller zu schlagen. Nicht ohne einen gewissen Grad an Nervosität stiegen wir weiter in die Tiefen des Tempels herab. Endlich gelangten wir in die vierte Ebene. Am Fuße der großen Treppe konnte man noch deutlich Blutspuren erkennen. Kurz verweilten wir alle, dachten an unseren Freund Selkai. Während die anderen schweigend weiterzogen, befestigte ich einen Stein des Dauerhaften Lichts an der Todesstelle unseres Freundes. Das ewige Licht sollte das Böse abschrecken, obwohl ich wenig Hoffnung hatte, das Böse hier zu besiegen, solange der Tempel selbst nicht zerstört werden würde, oder der Dämon im Inneren der Mauern getötet bzw. verbannt wurde.  In einem Seitengang fanden wir einen kleinen Pool, der mit grünlichem Wasser gefüllt war. Unser Barde, Nellain, brannte schon seit Monaten darauf, seinen magischen Mantel auszuprobieren. Dieses Kleidungsstück verwandelt seinen Träger im Wasser in einen Mantarochen, mit allen Fähigkeiten dieser Wasserbewohner. Er warf den Mantel über und steig ins Wasser, kaum stand ihm das Wasser bis zu den Knien, setzte die Metamorphose ein: Nellain krümmte sich zusammen, die Arme wuchsen zu mächtigen Schwingen heran, der Körper wurde flach. Elegant glitt der Rochen durch das Becken, auf den Grund zu, wo sich ein Portal befand, das unseren Freund verschluckte ... 

Jetzt konnten wir nichts anderes tun, als abzuwarten. In der Zwischenzeit untersuchten wir die im Raum stehenden Urnen. Sie enthielten allesamt die selbe Art von Algen. Wir diskutierten den Sinn dieser Behälter und ihrem Inhalt. Vielleicht waren sie Lockmittel für die Kreaturen, die hinter dem Portal warteten. Anthaias hatte offensichtlich einen anderen Gedanken, mit einem Gewissen Ekelausdruck im Gesicht, nahm er eine Handvoll Algen und steckte sie sich in den Mund schluckte die grüne Masse mit einer Todesverachtung herunter, wo es sicherlich jedem Ork den Magen umgedreht hätte. Plötzlich bekam er keine Luft mehr, ruhig schritt er auf das Wasserbassin zu und tauchte ab. Nach kurzer Zeit stieg er wieder heraus und erklärte uns mit einem selbstzufriedenen Lächeln, das er mit Hilfe dieser Algen unter Wasser atmen könnte.  Nach zwei Stunden war unser Barde immer noch nicht aufgetaucht. Wir fassten zusammen einen Entschluss, den wir später alle noch bitterlich bereuen würden. Um den Elementarebenen zu kommen war es offensichtlich nötig, einen Teleportspruch zu sprechen. Ich konnte, wollte ich alle meine Freunde und mich in Sicherheit bringen, nur einen Bruchteil unserer Ausrüstung mitnehmen. Schweren Herzens trennten sich also meine Begleiter von ihren Rüstungen, um eine Rückreise möglich zu machen.  Mit einem mulmigen Gefühl im Magen schluckten wir eine Handvoll Algen und stiegen in den Pool. Das kühle Wasser trug nicht zur Steigerung des Wohlbefindens bei. Wir tauchten durch das grünlich trübe Wasser, Richtung Boden des Pools. Mit jeder Schwimmbewegung und jedem Atemzug wurde das Portal deutlicher: eine schwarze Scheibe, eine unheimliche Schwärze, wir mussten da hindurch, wollten wir Nellain wiederfinden... 

Die samtene Schwärze umfloss uns, wie eine rußige Masse, die uns hungrig verschlingen wollte. Wir hatten kurzzeitig das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Doch endlich, ein trübes Licht, wieder Wasser, die Lichtstrahlen, die durch die aufgewühlte Wasseroberfläche drangen, malten rätselhafte Muster in die grünlich schimmernde Unterwasserwelt. Da schloss plötzlich ein schwarzer Schatten auf uns zu, so gut wir konnten, bereiteten wir uns auf den bevorstehenden Angriff eines Unterwasserjägers vor. Doch der riesige Rochen drehte kurz vorher ab und vollführte einige kunstvolle Manöver. So etwas konnte nur Nellain einfallen, erleichtert schwammen wir auf ein kleines Atoll zu. Doch kaum aus dem Wasser gestiegen, mussten wir feststellen, dass hier ein eisiger Wind heulte. Er zerrte an unserer nassen Kleidung und schien mit seiner Eiseskälte regelrecht die Lebenskraft aus unseren Körpern saugen zu wollen. Frierend lauschten wir den ungewöhnlich knappen Worten Nellains, er sparte sich die üblichen Ausschmückungen und Übertreibungen, ob der schneidenden Kälte. Er hatte ein Pärchen von Wasserdrachen gefunden. Sie wohnten in einer Höhle im nördlichen Teil der Höhle. Viel interessanter sei aber ihr Schatz, er schien eine Kiste der selben Bauart zu enthalten, wie diejenige, die den goldenen Schädel enthielt. Ermutigt, einen weiteren Teil des Orb of Gold gefunden zu haben, sprangen wir wieder ins sprichwörtlich kalte Wasser... 

Während wir anderen uns mühsam durchs Wasser kämpften, vollführte Nellain Pirouetten und verspielte Drehungen, er hatte sich offensichtlich gut an seine neue Erscheinungsform gewöhnt. Endlich, nach einer Zeit, die mir wie die halbe Ewigkeit erschien, kamen wir in die Nähe der Höhle. Nellain war voraus geschwommen, um zu sehen, ob die Drachen in der Höhle waren. Glücklicherweise waren sie unterwegs, so schnell wir konnten schwammen wir in das bedrohliche Dunkel der Höhle. Der Höhlenschlund öffnete sich vor uns, wie das riesige Maul eines namenlosen Monsters aus den unzähligen Abgründen der Hölle. Wir mussten schnell handeln, wollten wir nicht als willkommene Bereicherung des Speiseplans der Drachen dienen. In der Höhle säßen wir in der Falle. Wieder sollten uns die Steine des dauerhaften Lichts von nutzen sein: sie erhellten die Höhle, der besagte Behälter war schnell gefunden. Trotz der schweren Last schwammen wir überraschend schnell aus der Höhle. Ja Angst vermag wirklich Flügel zu verleihen, obwohl die Drachen sicherlich gegen uns in einem Kampf in offener See gegen uns verloren hätten. Aber wer weiß zu welchem Preis?  Wir bewegten uns Richtung Westen, wo Nellain ein seltsames Zeichen am Boden gesehen hatte, das er für eine Verbindung zu den anderen Ebenen hielt. Wieder stiegen wir aus dem Wasser, um abermals die beißende Kälte des heulenden Winds zu spüren. Schnell liefen wir geduckt auf den Höhleneingang zu, den Nellain gesehen hatte. Der eine oder andere hatte schon blaue Lippen wegen der Kälte, hoffentlich können wir bald hier heraus. In der Höhle konnten wir allerdings unserer Neugier nicht widerstehen, und öffneten den Behälter, bereit, jederzeit aus der Höhle zu laufen, um den Auswirkungen einer eventuell vorhandenen Falle zu entgehen. Zu unserer Erleichterung und auch Überraschung passierte aber nichts ... 

Im Inneren fanden wir einen Edelstein, dessen Farbe ich hier nur schwer darzustellen vermag, er war blass gelb, wie gebleichte Knochen, wies aber einige seltsame fleischfarbene Adern auf. Aufgrund unserer Erfahrungen vermuteten wir, dass es sich hier um den Stein der Luft handeln musste. Wir verstauten unseren wertvollen Fund wieder im Behälter. Noch einmal kurz durchgeatmet, der Rauhreif unseres Atems verschwand nach einigen Sekunden, dann schritten wir auf das Oktagramm auf dem Boden zu, insgeheim hoffte jeder von uns, in die Ebene des Feuers versetzt zu werden, da könnten wir uns wenigstens aufwärmen ... 

Ein kurzes Schwindelgefühl, und da war es plötzlich, ein Orkan brüllte um uns herum, um den Gipfel des Berges, der über und über mit Schnee bedeckt war ...

Vom Regen in die Traufe, wie es oft so treffend heißt. Fluchtartig machten wir uns an den Abstieg, die nasse Kleidung war in kürzester Zeit gefroren, ich dachte an das wärmende Kaminfeuer in unserer Villa, eine heiße Tasse Tee. Auch den anderen schienen sich ähnliche Gedanken zu machen, wir waren alle so damit beschäftigt, uns an unseren Gedanken zu erfreuen, dass wir vergessen hatten, das wir nicht auf einer Vergnügungsreise waren. So hatte keiner von uns das bedrohliche Flügelschlagen von mächtigen Schwingen vernommen ... 

Jäh wurden wir aus unseren Gedanken gerissen, wurden schmerzlich daran erinnert, dass es hier Wesen gibt, denen wir als lohnende Beute erscheinen, in dieser unwirtlichen Eiswüste, wo man die Hand vor wehendem Schnee nicht sieht. Zwei Strahlen tödlicher Kälte trafen uns, zogen das letzte Fünkchen Wärme aus dem Körper, wie betäubt stolperte ich, taumelte, fiel in den Schnee... 

Nur schemenhaft konnte ich die Schatten von drei Drachen erkennen, zwei riesige und ein kleiner ca. 7m großer ...

Sie stießen alle einen triumphierenden Schrei aus, wähnten uns geschlagen, sie sollten sich täuschen ... 

Zitternd erhob ich die rechte Hand, die linke stütze meinen müden, frierenden Körper im Schnee. Die klammen, halb erfrorenen Finger bewegten sich nur widerwillig, das Klappern der Zähne machte es schwer, die magischen Formeln korrekt zu intonieren, doch glücklicherweise klappte mein Zauber. Ein orange – glühender, heißer Feuerball formte sich über meiner ausgestreckten Hand, mit letzter Kraft schleuderte ich ihn auf unsere Feinde, dann fiel ich in den Schnee, nur undeutlich hörte ich das schmerzerfüllte Brüllen der Drachen, ein zufriedenes Lächeln zeichnete sich auf meinem Gesicht ab, bevor ich die Augen schloß... 

Langsam wich die das Gefühl der Kälte aus meinem Körper, ein Gefühl der wohligen Wärme umschloss mich, jetzt konnte ich beruhigt schlafen, mich ausruhen von Strapazen, meine Hände gruben sich tiefer in das vermeintliche weiße Laken, das Schnee genannt wird.... 

„Bei Rao! Goron! Nicht einschlafen!“ Kräftige Hände packten mich, zerrten mich, ich wurde durchgeschüttelt, mühsam öffnete ich die Augen, mein Kopf fiel kraftlos zur Seite, nur schemenhaft konnte ich das besorgte Gesicht Athalarichs erkennen. Undeutlich konnte ich auch in Côrs Gesicht Sorgenfalten erkennen. Sie hatten die Drachen zur Strecke gebracht. Ich versuchte zu lächeln: „Aaalles in Ordnung! W-wollte nur sehen, ob Ihr noch fit seid! Kannst mich jetzt loslassen! K-kann s-selber gehen!“ Mit aller Kraft stemmte ich mich hoch, setze einen Fuß vor den anderen, doch nach zwei Schritten wurde mir abermals schwarz vor Augen, doch bevor ich zu Boden fiel, hatten mich Athalarich und Côr aufgefangen. „Wir müssen runter von diesem Berg, was finden, wo wir uns ausruhen können! Sonst können wir uns gleich zu den weißen Drachen legen!“  Mehr stolpernd als laufend, stapften wir durch den Schnee, immer wieder brachen wir hüft- tief ein, mühsam musste man sich aus diesen Fallen befreien. Nach einer endlosen Zeit kamen wir erschöpft am Fuße des Berges an. Der Wind heulte mit unverminderter Gnadenlosigkeit weiter... 

Undeutlich konnte man in diesem weißen, eisigen Inferno eine Felswand erkennen...

Taumelnd und rutschend suchten wir dort Unterschlupf, den Göttern sei’s gedankt, dass wir keine weiteren Bewohner der Eiswüste trafen. In einer Höhle finden wir ein Skelett, das nur noch von Überresten von Kleidung bedeckt wird, weiter hinten unter einem Haufen von Knochen finden wir abermals einen Behälter mit einem Stein, ein wunderschöner, blutroter Rubin.  Bevor wir weiterreisen wollten, mussten wir uns ausruhen, in der Höhle war es aber kaum windstiller und wärmer als draußen. Wir versuchten mit Hilfe der Knochen, die wir gefunden hatten, ein Feuer zu entfachen. Außer einem ekelhaft stinkenden Qualm gaben diese aber nichts her, die Umgebung schien die Wärme des Feuers regelrecht aufzusaugen, bevor uns diese erreichen konnte. Es half also nichts, weiter, nur weiter, bewegen, den Ausweg aus dieser Hölle finden.  In einer weiteren Höhle fanden wir den Zugang zu einer weiteren Ebene. Ohne lange nachzudenken, betraten wir das Geflecht aus Linien, alles war besser als diese tödliche Kälte, es konnte kaum schlimmer werden. Wir waren zu geschwächt, um das Schwindelgefühl, das sich bei jedem Versetzungsspruch bemerkbar macht, zu registrieren... 

Hitze wallte uns entgegen, nach einigen Sekunden, die wir sehr genossen, da Gefühl in unsere fast erfrorenen Glieder zurückkehrte, wurde die Hitze schon unerträglich. Die Luft flimmerte um uns herum, Schweißperlen traten aus jeder Pore der Haut, ein Gewirr von Gängen tat sich vor uns auf, alles scheint rot – orange zu glühen, überall nur kupferne Farbtöne ...

Eine weitere ungastliche Ebene, auch hier wollten wir so schnell wie möglich verschwinden. Doch vorher musste noch etwas erledigt werden; auch hier war sicherlich ein Teil des Orb of gold versteckt. Die Hitze machte uns schwer zu schaffen, als wir die Gänge durchsuchten, hinter jeder Tür konnte der Tod auf uns warten, Anthaias wäre beinahe von einem Meer von Flammen verschlungen wurden, wäre er nicht rechtzeitig zurückgesprungen und hätte das Tor wieder zu geschmettert.  Als wir eine Kreuzung betraten, brach das Unheil über uns herein, fauchende riesige Salamander, von züngelnden Flammen eingehüllt, stürmten mit gezückten Waffen auf uns zu. Bevor sie uns erreichten beschwor ich einen Kegel aus eisiger Kälte, der die Heißsporne abkühlen sollte. Aber die Hitze der Umgebung war zu viel für diesen durchaus mächtigen Spruch des fünften Buches, hilflos musste ich mit ansehen, wie unsere Feinde unverletzt und unbeeindruckt auf uns einstürmten. Die unerträglich hohen Temperaturen machten das kämpfen noch anstrengender, mit letzter Kraft verteidigten wir uns. Ich war schon zu entkräftet, um noch großartig in den Kampf einzugreifen, wie schon so oft verließ ich mich auf die Schwertkünste meiner Freunde. Cor und Athalarich kämpften wie Bären, sie standen wie Felsen in der Flut aus Feinden. Côrs Axt zerschlug hier einen Schild, zertrümmerte da einen Schädel, während Athalarich mit fathers revenge nicht weniger unter unseren Gegnern wütete.  Auch Anthaias und Nellain will ich nicht unerwähnt lassen. Der Elfenprinz hatte sich schon ein paar Narben im Kampf zugezogen und hatte sich geschworen, nicht allzu viele neue hinzukommen zu lassen. Der eine oder andere Salamander machte schmerzliche, wenn nicht sogar tödliche Bekanntschaft mit der Klinge Anthaias´. Nellains Gegner unterschätzen unseren Alleinunterhalter ob seines Aussehens, ein Musiker schien keine Gefahr darzustellen. Doch auch sein magisches Schwert lähmte seine Gegner, bevor sie durch einen tödlichen Streich aus ihrer Bewegungslosigkeit erlöst wurden. Ich beschränkte mich darauf, Gegner, die mir zu nahe kamen mit einer Salve magischer Geschosse abzuwehren. Nach einer Ewigkeit standen wir verschwitzt, mit dem unserm Blut und dem unserer Gegner besudelt in einem Haufen abgeschlagener Extremitäten und lebloser Körper. Schnell weiter, weg von hier, raus, nur raus ... 

Ich kann mich kaum noch erinnern, wann und wo wir endlich den dritten der vier Edelsteine fanden, auch dieser war in einem metallenen Behältnis aufbewahrt worden. Wieder irrten wir mehr oder weniger orientierungs- aber nicht ziellos durch die kupfernen Gänge. Plötzlich standen wir am Eingang einer riesigen Höhle, die ausgefüllt wurde von einem unvorstellbar großen roten Drachen. Dieses Wesen, ein wahres Prachtexemplar für seine Spezies, hatte uns offenbar bemerkt, es erhob sich erstaunlich schnell für seine Größe. Schuppen rieben gegeneinander und erzeugten das Geräusch mahlender Mühlsteine, Klauen kratzten über den mit Goldmünzen bedeckten Boden. Rauch stieg aus den Nüstern des Untiers, ein unheilvolles Grollen entstand in den Tiefen der mächtigen Kehle... 

Wir nahmen die Beine in die Hand und rannten, als wäre der Leibhaftige hinter uns her, in letzter Sekunde hechteten wir in einen Seitengang, und nicht zu spät, wie sich zeigte. Ein glutheißer Flammenstrahl erhellte den Gang, in dem wir Sekunden zuvor noch gestanden waren. Hätten wir nicht so schnell reagiert, wären wir jetzt nur noch kleine, qualmende Aschehäufchen ... 

Wir rappelten uns auf und lauschten erleichtert dem wütenden Brüllen des Untiers, das vergeblich versuchte, seinen riesigen Körper in den Gang zu zwängen. Jetzt erst sahen wir uns um, der Gang führte in einen Raum mit einem der uns schon bekannten Zeichen, das uns in die nächste Ebene führen sollte.  Wir öffneten die Augen, standen in einer dunklen, nebligen Höhle. Die Luft roch abgestanden und stickig. Das Licht unserer magischen Steine wirkte gedämpft, vorsichtig schlichen wir durch das Labyrinth aus Höhlen, bereit, jederzeit von einem Höhlenbewohner angegriffen zu werden. Nicht lange konnten wir die kühlen Temperaturen genießen, den Schweiß hatten wir uns aus dem Gesicht gewischt, die Verbrennungen, die wir uns zugezogen hatten schmerzten nicht mehr ganz so schlimm, doch die schlechte Luft machte uns zu schaffen. Jeder Schritt wurde zur Qual, Spuren von Giften brannten in den Lugen und Bronchien, jeder Atemzug bereitete höllische Schmerzen. Wieder waren wir einige Zeit durch den Nebel gestolpert, da fanden wir unter einem Haufen Unrat versteckt den vierten Behälter... 

Fröhlich und erleichtert, auch diese Aufgabe bewältigt zu haben, fielen wir uns in die Arme. Ich bereitete mich auf einen Zauberspruch vor, der uns weg von hier nach Hause bringen sollte. Da hörten wir schwere Schritte, aus einer Höhle kamen riesige, klauenbewehrte Wesen. Aus den Mäulern ragten zwei große, spitze Hauer, mit Gebrüll stürmten sie auf uns zu...  Ich schloss die Augen, um mich besser konzentrieren zu können, die Ermahnungen meiner Freunde, mich zu beeilen, zu überhören. Ich verfiel in Trance, murmelte die Beschwörungsformeln, mein Geist formte die magischen Flüsse. Ich erkannte zufrieden, dass ich die richtigen Worte gesprochen hatte, die korrekten Gesten vollführt hatte, um uns von hier zu teleportieren. Ich öffnete die Augen, nichts war geschehen, wir standen in der nebligen Höhle, die Luft war weiterhin stickig, die Monster stürmten auf uns zu. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: diese Ebenen waren Bestandteil des Temple of Elemental Evil, dort funktionierten keine Teleportsprüche!!  Ein gewisser Ausdruck von Panik zeichnete sich in meinem Gesicht ab, schnell erkannte die anderen, das etwas nicht stimmte. „Was ist los? Warum sind wir noch hier ?!?“ Bevor diese Frage geklärt werden konnte, mussten wir uns zuerst unserer Haut erwehren. Ich wollte mein Versagen möglichst schnell wieder ausgleichen und möglichst viele unserer heran stürmenden Feinde töten. Ich riskierte einen weiteren Zauberspruch, ich wählte abermals den Kältekegel, der in der anderen Ebene versagt hatte. Doch anstatt den Zauber zu kontrollieren, ließ ich die magischen Energien, ohne sie zu formen, in die reale Welt... 

Zu meinem Glück kann ich sagen, dass der Zauber klappte. Mehrere Gegner verharrten erfroren einige Sekunden in der Bewegung, bevor die zu Boden fielen und in Tausende von Scherben zerbrachen. Die anderen konnten sich auch nur kurz ihres Lebens erfreuen. Trotz ihres gefährlichen Aussehens konnten sie unserer bereits stark geschwächten keinen ernsthaften Schaden zufügen, wofür ich den Göttern danken will. Wenn ich weiterhin den Göttern so danke, sollte ich mir überlegen, meine Quartiere von der Universität der magischen Künste in einen Tempel zu verlegen.  „Wie kommen wir hier jetzt raus? Warum hat Dein Spruch nicht geklappt? Lang überleben wir hier nicht mehr!“ Dies verzweifelten Worte stammten von einem entnervten, ja fast mutlosen Nellain. Wir mussten uns was einfallen lassen, früher oder später würden wir hier sterben, das galt es zu verhindern, wo wir jetzt die Möglichkeit hätten, den Tempel endgültig zu zerstören. Vielleicht waren die Steine der Schlüssel. Wir experimentierten ein wenig herum, wurden jedoch immer wieder in eine der anderen Elementarebenen versetzt. In der Ebene des Feuers beschlossen wir, trotz der unerträglichen Hitze zu verweilen. Hier mussten wir nur einen kleinen Raum mit einer Tür überwachen, man könnte uns also nicht so leicht überraschen. Während die anderen den Raum bewachten und immer noch beratschlagten, wie wir hier herauskommen könnten, zog ich mich in eine Ecke zurück. Mich ärgerte meine Zerstreutheit, ich hätte wissen müssen, das der Teleportspruch nicht klappen würde. Der Zauber des siebten Buches war schon einmal wirkungslos innerhalb des Tempels gewesen.  Frustriert zog ich mich in eine Ecke des Raumes zurück, setzte mich, schlug die Beine übereinander. Der Rubin lag auf meinem Schoß. Ich drehte wendete ihn, das Licht wurde von den kunstvoll geschliffenen Facetten reflektiert. Doch diese interessierten mich nicht. Die Steine waren der Schlüssel. Aber wie funktionierten sie. Bevor die Wut überhand nahm, schloss ich die Augen, versuchte die Hitze zu ignorieren, die die letzte Lebenskraft aus unseren Körpern quetschte. Ich versuchte mich zu erinnern, an die vielen Werke, die ich gelesen und studiert hatte. Über magische Artefakte und Schlüssel zu anderen Ebenen. Was hatten meine alten Lehrmeister mir beigebracht? Konzentriere Dich, Goron! Die anderen vertrauen Dir! Du musste eine Lösung finden ...

Worte, kryptische Zeichen, geheimnisvolle Gesänge und unscharfe Bilder kreisten in meinem Kopf, da plötzlich hatte ich eine Idee. Ich sprang auf, rief die andern zu mir, fing an zu erklären. An ihren Gesichtern konnte ich erkennen, wie viel sie von meinem Vortrag verstanden hatten: NICHTS! Aber egal. Wir konnten so vielleicht lebend nach Hause kommen, alles andere war eigentlich egal. Wir stellten uns im Kreis auf, ich konzentrierte mich auf den Edelstein und tatsächlich nachdem wir auf das im Boden eingezeichnete Portal traten, wurden wir herum gewirbelt und fanden uns in dem kühlen, leeren Gewölben des Tempels wieder.  Erst jetzt konnte ich erkennen, wie erschöpft wir waren, Côr war nur noch ein Schatten seiner selbst, Nellain konnte ich nur noch mühsam auf den Beinen halten. Athalarich war blass, seine Backenknochen traten deutlich hervor, Prinz Anthaias sonst so stolzes Antlitz war fahl, eingefallen, unter den Augen deutliche Ringe. Keiner dessen Haut nicht von beißender Kälte und gnadenloser Hitze aufgerissen und gezeichnet war. Insgeheim war ich froh keinen Spiegel bei mir zu haben, ich wäre sicherlich vor mir selbst erschrocken. Erschöpft schleppten wir uns zum Wachturm und zu Rufus Mannen zurück.

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Goron "Sese"

 

   
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Written by:
  • Sese „Goron“
    Herler
  • Nicolas „Nellain“ Wachter
  • Alex „Artemis“ Miller